Was ist ein MVP? Minimum Viable Product einfach erklärt
MVP steht für Minimum Viable Product – das minimale funktionsfähige Produkt. Es ist die einfachste Version deiner Software, die echten Nutzern einen echten Mehrwert liefert.
MVP bedeutet nicht „halbfertig”
Das ist das häufigste Missverständnis. Ein MVP ist:
- Nicht ein Prototyp, der nur auf dem Bildschirm gut aussieht
- Nicht eine Demo ohne echte Funktionalität
- Nicht ein Quick-and-Dirty-Hack
Ein MVP ist eine vollständig funktionierende Software, die bewusst auf das Wesentliche reduziert ist. Es löst ein konkretes Problem für eine konkrete Zielgruppe – ohne überflüssige Features.
Warum mit einem MVP starten?
1. Du lernst, was Nutzer wirklich brauchen
Die meisten Annahmen über Nutzerbedürfnisse sind falsch. Statt 6 Monate lang Features zu bauen, die niemand nutzt, lernst du mit einem MVP nach 6–8 Wochen, was tatsächlich gebraucht wird.
2. Du sparst Geld
Ein typisches MVP kostet 5.000–15.000 Euro. Ein vollständiges Produkt ohne vorherige Validierung: 50.000–200.000 Euro. Wenn sich herausstellt, dass die Idee nicht funktioniert, hast du mit einem MVP 90% weniger verloren.
3. Du bist schneller am Markt
Wettbewerb wartet nicht. Ein MVP bringt dich in 6–8 Wochen auf den Markt. Die Konkurrenz, die ein perfektes Produkt bauen will, braucht 6–12 Monate.
4. Du bekommst echtes Feedback
Keine Umfrage, keine Marktforschung ersetzt echte Nutzung. Wenn Kunden bereit sind, für dein MVP zu bezahlen, hast du einen validierten Product-Market Fit.
Was gehört in ein MVP – und was nicht?
Rein gehört:
- Der Kern-Use-Case: Die eine Funktion, die das Hauptproblem löst
- Nutzer-Authentifizierung: Login, Registrierung (wenn nötig)
- Die wichtigsten Datenmodelle: Die Struktur, auf der alles aufbaut
- Ein sauberes UI: Einfach, aber professionell – kein Bootstrap-Standard
Raus bleibt:
- Admin-Dashboard mit 20 Filteroptionen
- Multi-Sprach-Support
- E-Mail-Marketing-Integration
- Detailliertes Analytics-Dashboard
- Mobile App (eine responsive Web-App reicht)
- Social Login (E-Mail + Passwort reicht)
Die Faustregel: Wenn ein Feature gestrichen werden kann und der Kern-Use-Case trotzdem funktioniert, gehört es nicht ins MVP.
MVP-Beispiele aus der Praxis
Ausführlicher beschreiben wir den MVP-Ansatz in Warum du deine Web-App immer mit einem MVP starten solltest.
Beispiel 1: KI-gestützte Jobplattform
Volle Vision: KI-Matching, automatische Bewerbungsgenerierung, Video-Interviews, Analytics für Arbeitgeber, Gehaltsvergleich, Karriere-Coaching.
MVP: Arbeitgeber können Stellen veröffentlichen, KI matcht Kandidaten und informiert sie per E-Mail. Punkt.
Ergebnis: Nach 6 Wochen waren die ersten Stellen online. Die Nutzungsdaten zeigten, dass das KI-Matching der wertvollste Teil war – Video-Interviews waren unwichtig.
Beispiel 2: Dashboard für Vertriebsteam
Volle Vision: Live-Dashboard mit 30 KPIs, CRM-Integration, automatische Reports, Prognosen, Team-Vergleiche, Export-Funktionen.
MVP: Dashboard mit 5 KPIs, Daten aus einer CSV-Datei, wöchentlicher automatischer Report per E-Mail.
Ergebnis: Das Team nutzte vor allem 3 der 5 KPIs. Die CRM-Integration wurde erst in Phase 2 gebaut – mit dem Wissen, welche Daten tatsächlich relevant sind.
Was kostet ein MVP?
| Projekttyp | MVP-Kosten | Zeitrahmen |
|---|---|---|
| Einfache Web-App (Formular, Dashboard) | 3.000 – 8.000 € | 3–5 Wochen |
| Plattform (Multi-User, Rollen) | 8.000 – 15.000 € | 5–8 Wochen |
| KI-Integration (Chatbot, Scoring) | 10.000 – 20.000 € | 6–10 Wochen |
Diese Zahlen gelten für einen erfahrenen Entwickler oder ein kleines Team. Bei einer großen Agentur mit Projektmanager, Designer und mehreren Entwicklern können die Kosten 2–3x höher liegen – bei gleichem Ergebnis.
Nach dem MVP: Wie geht es weiter?
Ein MVP ist der Startpunkt, nicht das Ziel. Nach dem Launch:
- Messen: Welche Features werden genutzt? Wo steigen Nutzer aus?
- Lernen: Interviews mit echten Nutzern. Was fehlt? Was stört?
- Iterieren: Die wichtigsten Verbesserungen umsetzen, neu messen
- Skalieren: Erst wenn der Product-Market Fit bestätigt ist, in Skalierung investieren
Dieser Zyklus (Build → Measure → Learn) wiederholt sich kontinuierlich. Jede Iteration macht das Produkt besser – basierend auf echten Daten, nicht auf Annahmen.
FAQ
Wie unterscheidet sich ein MVP von einem Prototyp?
Ein Prototyp demonstriert eine Idee. Ein MVP löst ein echtes Problem. Der Prototyp hat keine echten Nutzer und keine echten Daten. Das MVP wird von echten Menschen in echten Situationen verwendet.
Kann ich ein MVP selbst bauen (No-Code)?
Für sehr einfache Use Cases ja. Aber sobald du individuelle Logik, Integrationen oder Datenschutz-Anforderungen hast, stoßen No-Code-Tools an ihre Grenzen. Einen ausführlichen Vergleich findest du in No-Code vs. Custom Code: Wann lohnt sich welcher Ansatz? Die Gefahr: Du baust 80% mit No-Code und merkst dann, dass die letzten 20% unmöglich sind.
Wie weiß ich, ob mein MVP erfolgreich ist?
Definiere vorher 2–3 messbare Erfolgskriterien. Zum Beispiel: „Mindestens 10 Nutzer registrieren sich in den ersten 2 Wochen” oder „Die durchschnittliche Sitzungsdauer beträgt über 3 Minuten”. Wenn diese Kriterien erfüllt sind, lohnt sich die Weiterentwicklung.
Fazit
Ein MVP ist der smarteste Weg, ein Software-Projekt zu starten. Du validierst deine Idee mit minimalem Risiko, lernst von echten Nutzern und baust nur das, was wirklich gebraucht wird.
Du hast eine Idee für ein digitales Produkt und möchtest herausfinden, wie ein MVP dafür aussehen könnte? Lass uns in einem kostenlosen Erstgespräch deinen Use Case durchgehen. Schau dir auch unsere bisherigen Projekte an.
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Muhammed Bayram
Autor bei bayram.solutions
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